Schreckgespenst Fruktan
- sarahtheermann9
- vor 6 Tagen
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Macht Fruktan Pferde dick? Bekommen Pferde von Fruktan Hufrehe?

1. Fruktan kann Pferde dick machen.
Fruktan ist ein langkettiges, wasserlösliches Zuckermolekül, das Gras bei Energieüberschuss speichert. Es macht etwa die Hälfte des Gesamtzuckers im Gras aus und zählt zu den Fructooligosacchariden (FOS). Diese können im Pferdekörper präbiotisch wirken und damit das Allgemeinbefinden unterstützen. Viele Pferdehalter kennen diesen positiven Effekt: Weidegang tut den meisten Pferden gut – seelisch wie körperlich. Verdauungsprobleme wie Kotwasser bessern sich häufig, und magere Pferde nehmen nach dem Winter auf der Weide oft sichtbar zu. Problematisch wird das jedoch bei Pferden, die bereits gut genährt aus dem Winter kommen. Für sie kann regelmäßiger Weidegang den Weg zu Übergewicht ebnen.
2. Fruktan kann Hufrehe auslösen.
Bei Pferden, die ohnehin zu gut genährt sind, kann Fruktan nicht nur zusätzliche Pfunde fördern, sondern auch Hufrehe begünstigen. Eine hohe Aufnahme dieses Vielfachzuckers kann den Darminhalt übersäuern und nützliche Mikroorganismen massenhaft absterben lassen. Dabei entstehen Endotoxine, die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und in den feinen Kapillaren der Huflederhaut eine Entzündung (Laminitis) auslösen können.
Wie so oft entscheidet jedoch die Dosis. Das „Institut of Grasland and Environmental Research“ (IGER) in Wales zeigte, dass 7,5 Gramm Fruktan pro Kilogramm Lebendgewicht bei gesunden Pferden innerhalb von zwei Tagen zuverlässig Hufrehe auslösen. Für ein 500 Kilogramm schweres Pferd entspricht das rund 3,5 Kilogramm Fruktan. Ein durchschnittlich großes Pferd frisst täglich etwa 30 Kilogramm Frischgras. Selbst bei einem im Mai gemessenen Spitzenwert von 80 g Fruktan pro kg Trockensubstanz ergibt sich daraus eine Aufnahme von rund 480 Gramm Fruktan – also nur etwa 15 Prozent der für gesunde Pferde problematischen Menge. Für hufrehegefährdete Pferde, etwa übergewichtige Tiere oder Pferde mit gestörtem Glukosestoffwechsel, EMS, Diabetes oder Cushing, liegen jedoch keine verlässlichen Grenzwerte vor. Es ist daher naheliegend, dass bei diesen Risikogruppen bereits deutlich geringere Mengen ausreichen können, um Hufrehe auszulösen.
Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Fruktangehalt im Weidegras allein kein verlässlicher Auslöser für Hufrehe ist. Meist entsteht das Risiko durch mehrere ungünstige Faktoren zugleich. Dazu zählen unter anderem Schimmelpilzgifte, die in Symbiose mit dem Gras leben und die Erkrankungsgefahr deutlich erhöhen können.
3. Der Fruktangehalt einer Weide schwankt.
Eine Studie des Instituts für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigt, dass der Fruktangehalt im Weidegras im Verlauf der Saison deutlich variiert: Im Frühjahr und Herbst liegen die Werte meist höher, im Sommer niedriger. Auch innerhalb eines Monats können sie stark schwanken. So wurden im September Werte zwischen 10,6 und 81,6 g Fruktan pro kg Trockensubstanz (TS) gemessen.Besonders hohe Werte treten auf, wenn viel Sonnenlicht auf das Gras fällt, gleichzeitig aber die für das Wachstum nötige Wärme fehlt. Steigen die Temperaturen, sinkt der Fruktangehalt in der Regel.


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